Abschiebung erfolgreich verhindert!

Am 5.4. sollte ein 19-jähriger Flüchtling aus Somalia mit einem Lufthansaflug gegen seinen Willen nach Malta gebracht werden. In Malta hatte der Betroffene auf seiner Flucht nach Europa mehrere Monate in Haft gesessen und seine Fingerabdrücke abgeben müssen, sodass das Land im Rahmen des Dublin II-Abkommens für ihn als erstes Land der Einreise in die EU angesehen wird und als zuständig für die Prüfung seines Asylantrags gilt. Nachdem sich der junge Mann aber schon einmal erfolgreich gegen eine Abschiebung gewehrt hatte und die Überstellungsfrist nach Malta am 5.4. ablief, war dies der letzte Termin für eine mögliche Abschiebung.

Durch ein Gespräch im „operativen Büro“ der Lufthansa und eine Flugblattaktion am Gate wurde für einige Irritationen beim Personal der allseits bekannten deportation.class-Fluggesellschaft gesorgen. Jedenfalls brach der Pilot die Abschiebung ab. Ob dieser Erfolg nun auf die Befürchtung der Lufthansa, mit ihrer Abschiebepraxis wieder stärker in die öffentliche Kritik zu geraten, zurückzuführen ist oder andere Gründe hat, wissen wir nicht genau. Sicher ist aber, dass es möglich war, schon mit einer kleinen Aktion am Flughafen wirkungsvollen Druck auf die Flugline aufzubauen. Der betroffene Somalier ist mittlerweile jedenfalls frei und kann hier in Deutschland in den nächsten Tagen einen Antrag auf Asyl stellen.

Falls ihr von einer geplanten Abschiebung über den Frankfurter Flughafen erfahren solltet, teilt das bitte so schnell wie möglich der Frankfurter Abschiebungsverhinderungsgruppe mit. Je früher wir Informationen erhalten, umso besser können Aktionen vorbereitet werden:
Infos bitte an —> abschiebungverhindernffm [at] lists.riseup [dot] net

22.3.2011 Abolish! Bundesweiter Aktionstag gegen rassistische Sondergesetze

Abolish! Rassistische Sondergesetze abschaffen!
Bundesweiter Aktionstag am 22. März 2011 mit Kundgebungen in Bad Homburg um 14 Uhr vor dem Landratsamt (Ludwig-Erhardt-Anlage) und in Oberursel um 16 Uhr in der Vorstadt/Ecke Kumeliusstrasse.

Abolish DE

Im Rahmen des bundesweiten Aktionstages gegen Asylbewerberleistungsgesetz, „Residenzpflicht“, Lagerisolation & rassistische Sondergesetzgebung rufen das Aktionsbündnis gegen Abschiebung Rhein/Main, Noborder Frankfurt, kein mensch ist illegal Darmstadt und Hanau sowie weitere Gruppen und Einzelpersonen zu einer Doppelkundgebung in Bad Homburg und Oberursel auf. In Oberursel befindet sich das größte hessische Lager, in dem Flüchtlinge zum Teil seit vielen Jahren unter erbärmlichen und diskriminierenden Bedingungen in Containern leben müssen. In Bad Homburg sitzen im Landratsamt die Politiker und die Verwaltungsbehörden, die für diese unhaltbare Situation unmittelbar verantwortlich ist sind. Wir beteiligen uns mit dieser Aktion an einer bundesweiten Kampagne, die auf der antirassistischen Konferenz in Frankfurt im Dezember 2010 beschlossen wurde. In etwa 20
Städten quer durch Deutschland werden rund um den 22. März Aktionen gegen die rassistische Sondergesetzgebung stattfinden.

Zum Hintergrund:
An vielen Orten in ganz Deutschland wehren sich Flüchtlinge mit Streiks und Protesten gegen unerträgliche Existenzbedingungen. Im Jahr 2010 haben sich allein in Bayern über 500 Flüchtlinge an Hungerstreiks und Essenspaketeboykotten beteiligt. In Thüringen haben Flüchtlinge durch ihren massiven Protest die Schließung des Isolationslagers Katzhütte erzwungen. In Mecklenburg-Vorpommern wurden die menschenunwürdigen Zustände im Lager Horst durch einen Hungerstreik an die Öffentlichkeit gebracht. Dies sind nur einige Beispiele für die Flüchtlingskämpfe im gesamten Bundesgebiet.
Bundesweite Kampagne zur Abschaffung diskriminierender Gesetze gegen Flüchtlinge.

Für einen Großteil der diskriminierenden Lebensbedingungen, gegen die Flüchtlinge sich mit Streiks und Protesten zur Wehr setzen, bildet das Asylbewerberleistungsgesetz die gesetzliche Grundlage. In diesem repressiven Gesetz ist festgeschrieben, dass Flüchtlinge in Deutschland unter erbärmlichen Bedingungen in Flüchtlingslagern leben müssen, von Sachleistungen der Behörden abhängig gemacht werden, keinen ausreichenden Zugang zu Gesundheitsversorgung haben und gezwungen sind, von niedrigeren Leistungssätzen zu leben als deutsche Sozialleistungsempfänger/innen, die ohnehin schon mit einem menschenunwürdigen Betrag auskommen müssen. Die Abhängigkeit der Flüchtlinge von den mickrigen Sozialleistungen wird darüber hinaus gesetzlich durch Arbeitsverbote und nachrangigen Arbeitsmarktzugang zementiert, zudem wird der Zugang zu Deutschkursen,
Bildung und Ausbildungsmöglichkeiten systematisch erschwert. Gleichzeitig wird Flüchtlingen das Menschenrecht auf Bewegungsfreiheit durch die so genannte „Residenzpflicht“ aberkannt. Diese und weitere rassistische Sondergesetze bilden gemeinsam einen Gesetzeskomplex der Unterdrückung, Isolation und des sozialen Ausschlusses. Ziel dieser staatlich verordneten Ausgrenzung ist es, Flüchtlinge leichter abschieben zu können und Menschen
davon abzuschrecken, überhaupt erst nach Deutschland zu kommen. Das Asylbewerberleistungsgesetz wurde 1993 im Zuge der rassistischen Hetze und Progrome und der damit einhergehenden faktischen Abschaffung des Grundrechts auf Asyl verabschiedet. Die „Residenzpflicht“ steht in der Tradition der deutschen Vorschriften in den kolonisierten Ländern und der nationalsozialistischen Polizeiverordnung von 1938.
Für uns ist klar:
Asylbewerberleistungsgesetz und „Residenzpflicht“ sind nicht reformierbar, sondern müssen abgeschafft werden.
Menschenwürde und Bewegungsfreiheit sind nicht verhandelbar!

Wir wollen gemeinsam mit möglichst vielen Menschen in möglichst vielen Städten und Lagern mit einem kraftvollen bundesweiten Aktionstag am 22. März aktiv werden! –> 14 Uhr in Bad Homburg vor dem Landratsamt und 16 Uhr in Oberursel in der Fußgängerzone (Vorstadt/ Ecke Kumeliusstr.)
siehe auch: www.kampagne-abolish.info

Aufruf 22.03.2011 Bad Homburg/ Oberursel (als PDF)

Freiheit statt Frontex

Öffentliche Stellungnahme der drei antirassistischen Netzwerke afrique-europe-interact, Welcome to Europe (w2eu) und Kritische Migrations- und Grenzregimeforschung (kritnet):

frontex versenken

Mit den beeindruckenden Aufstandsbewegungen in der arabischen Welt und dem Sturz der Despoten in Nordafrika kommen dem vorverlagerten EU-Grenzregime die Wachhunde abhanden. Die Frage einer verschärften Migrationskontrolle durch die europäische Grenzschutzagentur Frontex ist in Politik und Medien in diesen Tagen und Wochen ein großes Thema. Umso dringender erscheint es uns, gegen den fortgesetzen Tod und das Leid an den Außengrenzen die berechtigte Forderung der Flüchtlinge und MigrantInnen nach Bewegungsfreiheit stark zu machen.

Vor diesem Hintergrund haben sich die drei antirassistischen Netzwerke afrique-europe-interact, Welcome to Europe (w2eu) und Kritische Migrations- und Grenzregimeforschung (kritnet) auf die Veröffentlichung einer gemeinsamen Stellungnahme mit dem plakativen Titel „Freiheit statt Frontex“ verständigt.
Die Dynamik des arabischen Frühlings strahlt aus in die ganze Welt. Die Aufstandsbewegungen im Maghreb machen Mut und Hoffnung, nicht nur weil despotische Regime verjagt werden, die vor kurzem noch unüberwindbar erschienen. So offen die weiteren Entwicklungen bleiben, im Dominoeffekt der tunesischen Jasminrevolution meldet sich in atemberaubender Schnelligkeit die alte Erkenntnis zurück, dass Geschichte von unten gemacht wird. Die Kämpfe richten sich gegen die tägliche Armut wie auch gegen die allgemeine Unterdrückung, es geht gleichermaßen um bessere Lebensbedingungen wie um Würde, kurz: um „Brot und Rosen“.

Die unglaublichen Tage auf dem Tahrirplatz in Kairo stehen für die Suche nach neuen Formen der Selbstorganisierung und Basisdemokratie. Der Wunsch nach gleichen Rechten, nach Autonomie und Teilhabe am wirtschaftlichen Reichtum, spiegelt sich aber auch in den Booten Richtung Europa wieder: jetzt aus Tunesien, seit Jahren aus Nord- und Westafrika. „Exit“ – sich die Bewegungsfreiheit zu nehmen und zu migrieren, um ein anderes, besseres Leben zu finden, und „Voice“ – die Stimme zu erheben und den Kampf vor Ort zu führen, sind keine Gegensätze, sie stehen vielmehr in einem lebendigen Wechselverhältnis.

Das hatten – noch offenkundiger – bereits die Umbrüche 1989 gezeigt. Die Abstimmung mit den Füßen katalysierte damals die Protestbewegungen gegen das realsozialistische Unterdrückungsregime. Die Mauer ist auch deshalb gefallen, weil die Menschen ihre Bewegungsfreiheit durchgesetzt haben. Um so verlogener erscheint heute die Freiheitsrhetorik westlicher PolitikerInnen, die angesichts der Migrationsbewegungen aus und über Nordafrika einmal mehr das Bedrohungsszenario der Überflutung bemühen, gegen die nun die europäische Grenzschutzagentur Frontex in Stellung gebracht wird.

Die EU-Regierungen haben die nordafrikanischen Machthaber hofiert und gestützt und sich in den letzten Wochen zögerlich bis bremsend gegenüber den Aufstandsbewegungen verhalten. Dahinter stecken starke ökonomische Interessen, aber auch die gewachsene Kollaboration in der Migrationskontrolle. Despoten wurden umso wichtigere „Partner“, je effektiver sie als Wachhunde für ein vorverlagertes EU-Grenzregime fungierten. Migrationsbewegungen aus Afrika sollten um jeden Preis eingedämmt werden.

Tausendfacher Tod und Leid nicht mehr nur auf See, sondern auch in den Wüsten und Internierungslagern waren und sind die Folgen dieser schändlichen Komplizenschaft. Die subsaharischen MigrantInnen, die aktuell in Libyen Opfer pogromartiger Hetzjagden werden, sahen sich unter dem Gaddafi-Regime seit Jahren einer systematischen Entrechtung, Willkür und Misshandlungen ausgeliefert. Die EU hat dem libyschen Diktator Millionen gezahlt und Überwachungstechnik geliefert, eine ähnliche Kooperation gibt es mit dem marokkanischen Machthaber, und bis vor kurzem auch mit dem tunesischen Regime. Die arabischen Revolutionen markieren jetzt das mögliche Scheitern dieses brutalen Ausgrenzungsprojekts der EU im Mittelmeerraum.

Mit den gezielt medial gestreuten Befürchtungen über einen Kollaps der Migrationskontrolle wird nun die weitere Verschärfung und Militarisierung des EU-Grenzregimes legitimiert, verkörpert durch Frontex. Die europäische Grenzschutzagentur ergänzt und erweitert die nationalen Kontrollsysteme, die seit Jahrzehnten auf Abschreckung und Kriminalisierung der Migrationsbewegungen zielen. Frontex soll – wie bereits vor der westafrikanischen Küste oder an der griechisch-türkischen Grenze – nun auch verstärkt vor Nordafrika zum Einsatz gebracht werden.

Italien erhält die Federführung für diese „Operation Hermes“. Das ist konsequent und schockierend ehrlich: In Folge des Schulterschlusses zwischen Berlusconi und Gaddafi kam es in den letzten Jahren zu unzähligen unrechtmäßigen Rückschiebungen im Mittelmeer, der italienische Staat hat sich geradezu als Meister im Bruch aller Flüchtlingsskonventionen inszeniert. Und nicht zufällig wird kriminalisiert, wer das Leben der Boatpeople rettet. Das zeigen die Fälle der Cap Anamur oder der tunesischen Fischer, deren Prozesse in Italien noch immer andauern.

MigrantInnen suchen Schutz oder ein besseres Leben in Europa. Sie wandern gegen ein Reichtumsgefälle, das ganz wesentlich in den neokolonialen Dominanz- und Ausbeutungsverhältnissen zwischen Europa und Afrika begründet liegt. In Europa muss sich der universelle Anspruch auf Freiheit und Demokratie deshalb am Umgang mit denjenigen messen lassen, die auf dem Weg der Migration gleiche Rechte einfordern. Frontex steht für den Ausbau eines tödlichen Grenzregimes, für das in einer freien Welt kein Platz ist. Der Tod an den Außengrenzen könnte schon morgen Geschichte sein. Aber das ist politisch nicht gewollt. Stattdessen führen die EU-Verantwortlichen einen regelrechten Krieg an den Außengrenzen.

Innerhalb der EU gehören Entrechtung und Abschiebung zum rassistischen Alltag, in dem „Integration“ als Druckmittel der Anpassung und Ausbeutung in den Niedriglohnsektoren benutzt wird. Doch dieser selektive Umgang mit Migration ist mit Widerständigkeiten und Beharrlichkeiten konfrontiert, die das System der Ungleichheiten und Unfreiheiten immer wieder herausfordern. Nicht zufällig findet in dieser bewegten Zeit ein dramatischer Hungerstreik von 300 maghrebinischen MigrantInnen für ihre Legalisierung in Griechenland statt. Und verstärkt flackern Bleiberechtskämpfe und migrantische Streiks quer durch Europa auf, seit Sans Papiers – insbesondere aus Afrika – vor 15 Jahren in Paris mit der Forderung „Papiere für Alle“ in die Öffentlichkeit traten.

Der Aufbruch in Nordafrika zeigt, was alles möglich ist. Es geht um nicht weniger als um ein neues Europa, ein neues Afrika, eine neue arabische Welt. Es geht um neue Räume der Freiheit und Gleichheit, die es in transnationalen Kämpfen zu entwickeln gilt: in Tunis, Kairo oder Bengazi genauso wie in Europa und den Bewegungen der Migration, die die beiden Kontinente durchziehen.

8. März 2011
Afrique-Europe-Interact
Welcome to Europe
Netzwerk Kritische Migrations- und Grenzregimeforschung
((Wir wollen diese Deklaration mit möglichst vielen Unterschriften so schnell und so weit wie möglich verbreiten, entsprechend bitten wir weitere Netzwerke, Organisationen und Initiativen wie auch Einzelpersonen um Unterzeichnung. Eine entsprechende kurze Mitteilung bitte an fs [at] antira [Punkt] info schicken.))

Einladung zum offenen Treffen des Aktionsbündnis gegen Abschiebungen Rhein-Main am 21. Februar 2011

Der Frankfurter Flughafen ist nach wie vor eines der Hauptdrehkreuze
für Abschiebungen aus Deutschland. Fast die Hälfte aller Luftabschiebungen
aus der Bundesrepublik wurde im letzten Jahr über den Rhein-Main-Airport
durchgeführt. Gegen diese ungebrochene Abschiebepraxis hat sich Ende des
letzten Jahres einem Vernetzungsgruppe von Leuten organisiert, deren Ziel
es ist, Abschiebungen mit Linienflugzeugen gemeinsam am Flughafen zu
verhindern. Neben diesem notwendigen Projekt findet der Kampf gegen
Abschiebung gegenwärtig aber noch an weiteren Schauplätzen statt.

Abschiebungen mit Sammelchartern

In den letzten Jahren wurden z.B. immer mehr Menschen mit Hilfe von
Sammelabschiebungen in Charterflugzeugen abgeschoben, die häufig von der
„EU-Grenzschutzagentur“ Frontex finanziert und europaweit koordiniert
werden. Solche Charterabschiebungen werden derzeit regelmäßig über
Berlin, Düsseldorf und Baden Baden durchgeführt. Am Badener „Depor-
tation-Airpark“ und am Flughafen Düsseldorf fanden deshalb im letzten
Jahr mehrere Protestaktionen gegen die Massenabschiebungen von Roma
und anderen Minderheiten ins Kosovo und andere Länder des
ehemaligen Jugoslawiens statt.

Infokampagne gegen Abschiebeärzte

Ein weiteres Feld des Anti-Abschiebe-Engagements hat der Saarländische
Flüchtlingsrat kürzlich eröffnet, indem er die Beteiligung von Ärzten
an der Durchführung von Abschiebungen ins Licht der Öffentlichkeit
gerückt hat. Der SFR machte auf einer Pressekonferenz bekannt, dass
zwei Ärzte aus dem Saarland und dem Rhein-Main-Gebiet mehrfach für die
Bremer Ausländerbehörde Gefälligkeitsgutachten ausgestellt und trau-
matisierte oder suizidgefährdete Flüchtlinge „flugtauglich“ geschrie-
ben hatten. Weitergehende Recherchen wären sicher angebracht.

Proteste gegen Abschiebeanhörungen

Ein drittes Aktionsfeld bestand in den letzten Jahren in den Protesten
gegen die Sammelanhörungen von Flüchtlingen, die auf Grund ihrer unge-
klärten Staatsangehörigkeit nicht abgeschoben werden können. Bundesweit
wurden in verschiedenen Städten Flüchtlinge – insbesondere aus afrika-
nischen Staaten – von Botschaften oder Delegationen ihrer vermeintlichen
Herkunftsländer vorgeladen, um mit fragwürdigen Mitteln ihre Identität
festzustellen. Flüchtlingsgruppen haben auf der Antira-Konferenz im
Dezember betont, wie wichtig es ist, die Proteste dagegen
weiterzuführen.

Auf einem offenen Treffen des Aktionsbündnis gegen Abschiebungen möchten
wir über diese Aktionsfelder diskutieren und gemeinsam überlegen, ob und
wie wir uns daran in diesem Jahr vom Rhein-Main-Gebiet aus beteiligen
können. Alle Interessierten laden wir herzlich ein.

Montag, 21.2.2011 – 20 Uhr – Studierendenhaus Uni Frankfurt – Raum K 2

11. Februar 2011: Solidarität mit den MigrantenInnen im Hungerstreik in Athen und Thessaloniki.

10:30 Uhr Kundgebung vor dem griechischen Konsulat in Frankfurt (Zeppelinallee 43)
ca. 12:30 Uhr Kundgebung an der Konstablerwache.

Seit dem 25.Januar 2011 sind 300 MigrantInnen in Athen und Thessaloniki im Hungerstreik, um für für Papiere und bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen. Sie fordern eine bedingungslose Legalisierung aller MigrantInnen in Griechenland und gleiche soziale und politische Rechte. Die Entrechtung von Menschen aufgrund ihrer Herkunft findet nicht nur in Griechenland statt, sondern in ganz Europa. Die Solidarität mit den Hungerstreikenden und ihren Forderungen ist ein konkretes Eintreten gegen die Abschottung und den Auschluss von MigrantInnen, wie er in Europa praktiziert wird.

hungerstreik
Aktuelle Infos unter:
* Athens solidarity initiative: http://hungerstrike300.espivblogs.net
* Thessaloniki solidarity initiative: http://allilmap.wordpress.com/
* Welcome to Europe Network: http://w2eu.net/

Residenzpflicht – Invisible Borders

Ausstellung vom 05.02.-24.02.2011 im ehemaligen Polizeigefängnis Klapperfeld

invisible borders flyer

Für Flüchtlinge im Asylverfahren oder mit Status der Duldung existieren in Deutschland an alltäglichen Orten unsichtbare Grenzen. Sie dürfen sich z.B. aufgrund der sogenannten »Residenzpflicht« nur innerhalb eines ihnen zugewiesenen Landkreises oder Bundes­landes bewegen. Gleichzeitig werden sie verpflichtet, in Flüchtlingsheimen und -lagern oft am Rande oder außerhalb von Siedlungsgebieten zu wohnen.

Gutscheinsysteme statt Bargeldleistungen, aber auch Personen­kontrollen von als »fremd« wahrgenommenen Menschen an Bahn­höfen und in Zügen führen zur Markierung von Flüchtlingen und tragen zur gesellschaftlichen Isolation bei.

Die Ausstellung ›Residenzpflicht — Invisible Borders‹ dokumentiert anhand von Modellen, Foto- und Videoinstallationen, Plänen und Texten die dabei produzierte Geografie mehrfacher Einsperrung und Ausgrenzung und die durch sie verursachte Raumwahrnehmung, aber auch Strategien des Widerstands.

Website zur Ausstellung: www.invisibleborders.de

—-
Die Ausstellung sowie das Begleitprogramm finden hier statt:
Ehemaliges Polizeigefängnis Klapperfeld
Klapperfeldstraße 5
60313 Frankfurt

Öffnungszeiten vom 5. Februar – 24. Februar 2011:
Dienstag & Donnerstag: 17 – 20 Uhr
Mittwoch: 10 – 13 Uhr
Samstag & Sonntag: 15 – 18 Uhr

Eintritt frei, Spenden erwünscht!

Während der Öffnungszeiten kann auch die erweiterte Dauerausstellung zur Geschichte des Klapperfelds besucht werden.

Begleitprogramm:

Samstag, 5. Februar 2011

15.00 Uhr // Eröffnung der Ausstellung »Residenzpflicht – Invisible Borders« durch »Faites votre jeu!« und die Gruppe »No Border Ffm«

Sonntag, 6. Februar 2011
19.00 Uhr // Rex Osa, ein Aktivist von The VOICE Refugee Forum, spricht über die Repression gegen Flüchtlinge und Asylsuchende in der BRD und die Notwendigkeit von Widerstand bis zur Abschaffung von rassistischen Sondergesetzen wie der Residenzpflicht. (www.thevoiceforum.org & www.residenzpflicht-apartheid.de)

Mittwoch, 9. Februar 2011
19.30 Uhr // »Die Residenzpflicht – Innerdeutsche Grenzen im europäischen Kontext« Der Vortrag von Kasm Cesmedi gewährt zunächst einen Einstieg in das Thema der Residenzpflicht aus persönlicher Perspektive. Als Rom aus dem ehemaligen Jugoslawien und langjährig geduldeter Flüchtling war er von 1992 bis 2007 akut von Abschiebung bedroht. Wegen der Residenzpflicht konnte er sich nach dem Abitur nicht an seiner Wunsch-Universität bewerben. Das Besuchen der Familie war stets mit einem hohen bürokratischen Aufwand verbunden – sontane Besuche scheiterte nicht zu letzt an den Kosten, die für eine Genehmigung anfielen.
In seiner langjährigen Arbeit mit und für Roma aus dem ehemaligen Jugoslawien sind ihm zahlreiche Beispiel bekannt, durch die viele geduldete Roma wegen des Verstoßes gegen ihre Auflage der Residenzpflicht von den Behörden kriminalisiert wurden. Darüber hinaus bietet er Einblick in das Leben eines geduldeten Flüchtlings – mit all seinen Schikanen, der permanenten Ungewissheit und der Angst vor der Abschiebung. Am Beispiel der Aktion 302 in Münster Westfalen und der Selbstorganisation von Roma-Jugendlichen im Rahmen der nationalen Roma-Jugendvernetzung, wird er Bezug auf langjährig in Deutschland lebende Roma nehmen, die akut von der Abschiebung in das Kosovo betroffen sind und ihre Versuche, sich bei Politik und Gesellschaft Gehör zu verschaffen und Mitspracherecht in ihren Belangen einzufordern, thematisieren.
Kasm Cesmedi studiert Politik & Wirtschaft, Geschichte und Islamische Studien an der Goethe-Uni, arbeitet als muttersprachliche Lehrkraft im Projekt »Berufliche Bildung, schulische Qualifikation und Erwerbstätigkeit« für Roma-Jugendliche und in der Roma-Erwachsenenbildung des Förderverein Roma e.V. (www.foerdervereinroma.de), ist aktiv in der nationalen und internationalen Roma-Jugendvernetzung und hat die Aktion 302 (gegen die Abschiebung von 302 Münsteraner Roma; www.aktion302.de) mitgestaltet.

Mittwoch, 16. Februar 2011
19.30 Uhr // »Asylsuchende auf der Weiterflucht in Europa – aktuelle Entwicklungen zur Dublin-II-Verordnung« Vortrag und Diskussion von und mit Maria Bethke und Dominik Bender. Beide sind hauptberuflich mit der Beratung von Flüchtlingen befasst.

Samstag, 19. Februar 2011
20.00 Uhr // »Reise ohne Rückkehr – Endstation Frankfurter Flughafen« Film über den sudanesischen Flüchtling Aamir Ageeb, der 1999 an Bord einer Lufthansa Maschine abgeschoben werden sollte, sich wehrte,und dabei von BGS Beamten erstickt wurde. Der Regisseur Güclü Yaman wird bei der Vorführung anwesend sein. Infos zum Film auf: www.journeyofnoreturn.com

Mittwoch, 23. Februar 2011

20.00 Uhr // »Residenzpflicht und Bleiberecht aus Perspektive eines Betroffenen« Hassan Khateeb, aktiv bei Jugendliche ohne Grenzen (www.jogspace.net), berichtet über den Irrsinn deutscher Bleiberechtsregelungen. Er und seine Familie waren 17 Jahre lang geduldet und permanent von Abschiebung bedroht, erst im Oktober 2010 haben sie ein Aufenthaltsrecht bekommen.

Donnerstag, 24. Februar 2011
20.00 Uhr // »Die europäische Grenzschutzagentur FRONTEX und die südlichen Außengrenzen der EU« Vortrag von Sebastian Schaurer & Fabian Wagner. In Kooperation mit dem Forschungsprojekt »Staatsprojekt Europa« (www.staatsprojekt-europa.eu)

Antirassistische Konferenz in Frankfurt 10.-12.12.2010

KonferenzPlakat

Programm

(siehe auch: http://conference.w2eu.net)

Freitag 10.12.2010

19.00 h | Öffentliche Veranstaltung, Eröffnungsbeitrag:

Vom Abolitionismus zur Bewegungsfreiheit?

Geschichte und Visionen antirassistischer Kämpfe

19.30 h | Kaleidoskop antirassistischer Initiativen.

Kurze Bilderbeiträge zu:

1. Kämpfe um Bleiberecht und gegen Abschiebungen

(Jugendliche ohne Grenzen Hessen, Roma Center Gött., Amoro Drom Berlin, Hessischer Flüchtlingsrat)

2. Kampagne gegen Dublin II und transeuropäische Solidaritätsstrukturen

(Projekt www.w2eu.info)

3. Medi-Netze/Medi-Büros: Zwischen Entkriminalisierung und Vereinnahmung

(Medizinische Flüchtlingshilfen aus Bremen, Berlin, Hamburg)

4. Kämpfe gegen Residenzpflicht und rassistische Polizeigewalt

(Voice Refugee Forum)

5. Kampagne gegen die EU-Grenzschutzagentur

(Kampagne frontexplode und kritnet)

6. Migration und Arbeit – Gewerkschaftliche Anlaufstellen für MigrantInnen mit und ohne Papiere

(MigrAr Hamburg, AK Undokumentiertes Arbeiten Berlin, MigrAr Ffm, Initiative Zivilcourage Mün., „Du hast Rechte!“ HB)

7. Fast am Ende, die Grenze von Calais

(noborder Frankfurt/Main)

8. Lagerkämpfe

(Lagerland Bayern, Karawane München)

9. Recherche und Solidarität an den EU-Außengrenzen

(medico international, Pro Asyl, Borderline Europe, Stiftung do, Bordermonitoring Ukraine, Welcome to Europe-Network)

10. Antirassismus in die Köpfe, Antirassismus auf die Strasse: Stadtteilarbeit

gegen Rassismus

(Zusammen e.V./Karawane Frankfurt)

ab 21.00 h | Informationsstände im Saal und Flurgespräche

Samstag 11.12.2010

ab 9.00 h | Frühstücksbuffet

9.30 bis 10.30 h | Vier Einleitungsbeiträge

I. Zwischen Entkriminalisierung und Vorverlagerung – Bilanzierende Bemerkungen 13 Jahre nach dem Aufruf kein mensch ist illegal (kein mensch ist illegal aus Hamburg, Köln und Hanau sowie Karawane München)

II. Transnationalismus mit und in der Migrationsbewegung: Karawane von Bamako nach Dakar 2011 (Afrique-Europe-Interact)

III. Refugee Communities und die Kontinuität antirassistischer Alltagskämpfe (Karawane und Voice Refugee Forum)

IV. Konjunkturen der Ausgrenzung: Antimuslimischer Rassismus und Antiziganismus*(kritnet Berlin)

12.00 bis 14.00 h | Arbeitsgruppenphase I

1. Ambivalente Bilanz: Erfolgreiche Entkriminalisierung und gleichzeitige Vorverlagerung des Grenzregimes

2. Bleiberecht und Kampf gegen Abschiebungen

3. Infomobile und Anlaufstellen

4. Digitaler Antirassismus (antira.info)

5. Frontexplode – Wie weiter mit der Kampagne gegen die EU Grenzschutzagentur?

6. Transnationalismus on Tour: Migration, Klima, Landwirtschaft zwischen Bamako und Dakar

7. Refugee Communities und die Kontinuität antirassistischer Alltagskämpfe

14.00 h | Mittagsbuffet

16.00 bis 18.00 h | Arbeitsgruppenphase II

8. Kämpfe gegen Entrechtung: Lager, Residenzpflicht, AsylbLG, Sachleistungen, Arbeitsverbote

9. Migration und Arbeit (mit einem Input zum migrantischen Streik am 1. März 2010 in Bologna)

10. Kampagne gegen Dublin II und transeuropäische Solidarität

11. Vernetzung der Projekte an den EU-Außengrenzen

12. Konjunkturen des Rassismus

13. Kampf gegen den alltäglichen Rassismus im Stadtteil

18.00 h | Abendessen

19.30 h | Öffentliche Abendveranstaltung

Für eine Multitude des Antirassismus? – Bewegung zwischen Selbstorganisierung und Solidarität, zwischen Aktivismus und Akademie

Talkshow mit VertreterInnen von The Voice/Karawane, Jugendliche ohne Grenzen, kritnet, medico international, Aktion Bleiberecht Freiburg…

Sonntag 12.12.2010

10.00 bis 11.00 h | Berichte aus den Arbeitsgruppen

11.30 bis 15.00 h | Abschlussplenum: Wie weiter in überregionaler bis transnationaler Vernetzung?Wie können wir besser zusammenarbeiten? Soll es ein übergreifendes, gemeinsames Projekt für 2011 geben?

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Es wird vorbereitete Übersetzungen ins Englische und Französische geben!

Abschiebungen verhindern lernen

Dies ist eine Einladung mit uns zusammen zu lernen, Abschiebungen über Frankfurt gemeinsam zu verhindern und das Gelernte danach in die Tat umzusetzen.

Wir wollen uns am Samstag den 30.10 einen Tag Zeit nehmen, um uns gegenseitig beizubringen, was alles getan werden kann, um Abschiebungen über den Frankfurter Flughafen zu verhindern. Zu tun gibt es genug – die Zahl von statistisch gesehen 10 Abschiebungen am Tag über den Frankfurter Flughafen macht die Runde. Vor allem wird es um Abschiebungen gehen, bei denen bekannt ist, dass die betroffene Person sich wehren wird.

Es gibt viele Punkte, an denen versucht werden kann eine solche Abschiebung zu verhindern – z. B. durch Anrufe bei Behörden oder Fluggesellschaften, Pressearbeit, Gesprächen am Checkin oder mit der Crew, durch Passagiere, die Öffentlichkeit im Flugzeug herstellen oder gar den Abflug des Flugzeugs verhindern. Mit Menschen, die schon bei mehreren Abschiebungsverhinderungen Erfahrungen gesammelt haben, werden wir versuchen, uns an so vielen dieser Punkte wie möglich handlungsfähig zu machen. Dafür wollen wir schon existierende Aktionsmaterialien wie Flyer usw. zugänglich machen und unseren Vorhaben anpassen. Situationen, die bei Verhinderungsversuchen von Abschiebungen entstehen können, werden wir wenn möglich mit Rollenspielen ausprobieren.Wir werden uns zudem Zeit nehmen, um generell über, Anti-Abschiebeaktionen nachzudenken. Sei es gegen einzelne Fluggesellschaften (so führt z. B. SAFI Airways im Augenblick die ersten Direktflüge von Frankfurt nach Kabul durch und kürzlich stoppte ein, afghaniseher Flüchtling seine Abschiebung durch Flucht aus dem Flugzeug). Oder sei es generell mit Aktionen, die die Aufmerksamkeit der Reisenden schärft, um ihnen zu helfen unfreiwillige Passagiere zu unterstützen.

Wenn sich am Ende einige von uns in der Lage und motiviert fühlen, zu versuchen Abschiebungen über Frankfurt gemeinsam zu verhindern, wäre ein Ziel des Treffens erreicht. Damit wir besser planen können, wieviele Menschen da sein werden, schreibt doch eine kurze Nachricht an noborderffm[ät]riseup.net, wenn ihr vorhabt zu kommen.

Sa, 30.10.10, 12:00-18:00,
im ehemaligen Abschiebeknast Klapperfeld – Klapperfeldstraße 5.